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LESBAR - unsere Lese- und Medientipps

In der Hauptstelle der Stadtbücherei können Sie unsere LESBAR besuchen. Hier lässt es sich bei einer Tasse Kaffee ausgezeichnet schmökern, in den Zeitungen und Zeitschriften blättern oder via WLAN Internetzugang nutzen. Dazu servieren wir Ihnen unsere monatlichen Lektüre- und Medientipps. 


#ÜBERSETZT - SEPTEMBER 2022

Am 30. September, dem Tag des heiligen Hieronymus, wird die Arbeit der literarischen Übersetzerinnen und Übersetzer gefeiert. Wussten Sie, dass die meisten Bücher aus dem Englischen, dem Japanischen und dem Französischen ins Deutsche übertragen werden? Und haben Sie vielleicht auch schon mal ein Buch gelesen, dessen Originalsprache Slowakisch oder Koreanisch ist? Machen Sie sich in unseren Regalen und in der Onleihe auf die Suche nach sprachlicher Vielfalt und besuchen Sie im September eine unserer Veranstaltungen, bei denen es um die Ukraine, Polen und Afghanistan geht!

   
         
 

Tanja Maljartschuk: Blauwal der Erinnerung
Köln: Kiepenheuer & Witsch 2019, 288 Seiten. Aus dem Ukrainischen von Maria Weissenböck

Als Buch verfügbar?

Bei dem Besuch eines Museums im Nordosten der Ukraine stößt die Erzählerin in Tanja Maljartschuks Roman auf die Lebensgeschichte des ukrainischen Volkshelden Wjatscheslaw Lypynskyj. Als Politiker, Historiker, Publizist und Philosoph setzte er sich bereits vor und nach dem Ersten Weltkrieg vehement und entscheiden für einen unabhängigen ukrainischen Staat – obwohl er selbst aus einer polnischen Adelsfamilie stammte. Insbesondere kämpfte er auch für das Ukrainische – eine Sprache, die damals noch als rückständiger dörflicher Dialekt verspottet wurde. Unermüdlich schreibt er Flugblätter, publiziert politische Schrifte und Aufsätze und wird zum diplomatischen Vertreter der Ukraine in Wien. Der großen politischen Vision von Lypynskyj stellt die Autorin im Text viele Niederlagen in seinem Privatleben entgegen – seine schwache Gesundheit, die unglückliche Ehe und sein Lebensende in der österreichischen Provinz. Mit ironischem Wortwitz geschrieben – und von Maria Weissenböck übersetzt – bringt das Buch den Leserinnen und Lesern auch die unbekannten Seiten der ukrainische Kultur und Geschichte nahe.  

 

 

 
       
 

 

Tadeusz Dabrowski: Eine Liebe in New York
Frankfurt am Main: Schöffling & Co. 2019, 144 Seiten. Aus dem Polnischen von Renate Schmidgal

Als Buch / eBook verfügbar?

Renate Schmidgal, die bereits mehrere Gedichtbände des renommierten polnischen Lyrikers ins Deutsche übersetzt hat, blieb „ihrem“ Autor auch treu, als er von der Lyrik zur Prosa gewechselt hat. In seinem überzeugendem Debütroman erzählt Tadeusz Dabrowski die autobiografisch gefärbte Liebesgeschichte zwischen einem polnischen Dichter und einer kanadischen Architektin. Die zufällige Begegnung in der New Yorker U-Bahn katapultiert das Paar auf eine Achterbahn der Gefühle: Verführung und Ablehnung, Leidenschaft und Verweigerung, Glückseligkeit und Schmerz wechseln sich ab. Nachdem der Dichter zu einer Lesereise nach Boston und Philadelphia aufbricht, meldet sich die exzentrische Megan nicht mehr... Ob sie bloß eine Einbildung, eine Erfindung seiner Phantasie war...?

 
       
 

Khalid Hosseini: Am Abend vor dem Meer. Eine illustrierte Erzählung. Aus dem Amerikanischen Englisch von Henning Ahrens
Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag 2018, 48 Seiten
Als Buch verfügbar?

Der englischsprachige Originaltitel dieses schmalen, von Dave Williams wundervoll illustrierten Buchs ist „Sea Prayer“. Und es liest sich wie ein inniges Gebet oder der intime Brief eines syrischen Vaters an seinen kleinen Sohn, in dem er, vor dem Besteigen des Bootes und der anstehenden gefährlichen Überfahrt auf dem Mittelmeer, beim Gott in berührenden Worten die Sicherheit für sein Kind erbitten möchte. Der auf Englisch schreibende Bestsellerautor Khalid Hosseini musste selbst als Kind seine Heimat Afghanistan verlassen und erzählt nun von der Hoffnungslosigkeit und Abschied von zu Hause, von den Gefahren auf der Flucht und der Angst vor der Zukunft. Der Autor widmet sein Buch „den Tausenden von Flüchtlingen, die auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung im Meer ertrunken sind“ und spendet die Einnahmen aus dem Verkauf des Titels an die Flüchtlingshilfe.

 
       
 

Michal Hvorecký: Tahiti Utopia
Stuttgart: Tropen Verlag 2021, 256 Seiten. Aus dem Slowakischen von Mirko Kraetsch
Als Buch verfügbar? 

Einem lustvollen Spiel mit geschichtlichen Fakten und literarischer Fiktion geht Michal Hvorecký in seinem neuesten Roman nach, in dem er nach dem Ersten Weltkrieg die Slowaken in die Südsee auswandern lässt. Auf den Stränden und im tropischen Dschungel von Tahiti soll das mitteleuropäische Volk neue Freiheit in Französisch-Polynesien finden, nachdem die Siegermächte in den Friedensverhandlungen von Versailles Slowakei dem nach Größe strebenden Ungarn zugeschlagen hatten, anstatt der Gründung der Tschechoslowakei zuzustimmen. Um der kulturellen Säuberung und gewaltsamen Magyarisierung zu entgehen, macht sich die gesamte Bevölkerung unter Führung des charismatischen Diplomaten und Wissenschaftlers Milan R. Štefánik als „Donaukarawane“ über Österreich, Deutschland und Frankreich auf den Weg ins vermeintliche Paradies. Im exotischen Exil lernen die Slowaken Kokospalmen anbauen, surfen und übernehmen von den Einheimischen sogar die Tradition des Ganzkörper-Tätowierens. Raffiniert baut der Autor entlang dieser alternativen Geschichtsschreibung von „Neu-Slowakien“ in dem von Mirko Kraetsch übersetzen Roman auch kritische Verweise auf die politische Gegenwart ein – den erstarkenden Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, Fluchterfahrung und kollektiven Heimatverlust oder die Aufarbeitung des Kolonialismus. 

 

 
       
 

Bandi: Denunziation. Erzählungen aus Nordkorea
München: Piper Verlag 2017, 220 Seiten. Aus dem Koreanischen von Ki-Hyang Lee
Als Buch verfügbar? 

Sieben Geschichten über Denunziation, Verrat, Bespitzelung und allgegenwärtige Atmosphäre der Angst. Über Unterwerfung, Überwachung, Führerkult und ein gnadenloses System der Kollektivstrafe aus einem Land, das von dem Rest der Welt hermetisch abgeriegelt ist – Nordkorea. Schon die Entstehungsgeschichte des Erzählbandes des nordkoreanischen Schriftstellers und Dissidenten, der unter dem Pseudonym Bandi („Glühwürmchen“) auftritt, gleicht einem literarischen Agenten-Thriller. Die Manuskripte seiner in den 1980er und 1990er Jahren verfassten Texte über den Alltag in einer gnadenlosen kommunistischen Diktatur unter Kim Il-Sung und Kim Jong-Il wurden heimlich aus dem Land geschmuggelt, seine Identität wurde bis heute nicht enthüllt. Die von Bandi beschriebenen und von Ki-Hyang Lee übersetzten Versuche seiner ProtagonistInnen, von der Parteilinie abzuweichen, sich von den regelmäßig geforderten Massenauftritten fernzuhalten oder Zweifel an der totalitären politischen Führung der Kim-Dynastie zu äußern, werden allesamt bestraft. Eine mutige und düstere literarische Chronik, für die dem Autor in seinem Heimatland eine Strafe für Vaterlandsverrat droht.

 
       
   

Dr. Slávka Rude-Porubská (Leitung)