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LESBAR IM LOCKDOWN - unsere Lese- und Medientipps

Die Hauptstelle der Bücherei können Sie derzeit zu leicht reduzierten Öffnungszeiten am Nachmittag besuchen. Die beliebte LESBAR im Bücherei-Hauptgebäude am Max-Mannheimer-Platz ist derzeit noch zu. Bis Sie wieder bei einer Tasse Kaffee in der LESBAR schmökern können, stellen wir für Sie unsere Lektüre-Empfehlungen und Medientipps zusammen.  


#LYRIK MÄRZ 2021

Können Sie sich auch keinen Reim auf die Corona-Zeit machen? Lyrik lässt uns der Welt, die wir manchmal nicht mehr verstehen, entfliehen: Wenn der Lärm des Alltags zu groß ist, kann man sich mit Gedichten in die inneren, stillen Räume zurückziehen. Und genauso kann Poesie aufrütteln und neue Visionen für unsere Welt entwerfen, wie zuletzt die junge US-amerikanische Dichterin Amanda Gorman mit ihrem Gedicht "The Hill We Climb" bei der Amtseinführung von Präsident Joe Biden. Es gibt vielfältige, neue Stimmen und Sprachen, in denen in Deutschland gedichtet wird; es gibt auf Lyrik spezialisierte Verlage und Zeitschriften, Poetry Slams, Versbühnen und lesenswerte Gedichtbände. Im März lesen und empfehlen wir Ihnen Verse und Gedichte, klassische Dichter und lyrische Neuentdeckungen, gereimten Nonsens und Kostproben aus anderen, fernen poetischen Traditionen. Und feiern mit Ihnen den 21. März als den weltweiten Tag der Poesie! 

   
         
 

Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos
Berlin: Matthes & Seitz 2020, 208 Seiten

Als Buch / eBook verfügbar? 

Vorsicht, auch ein Roman kann Spuren von Lyrik enthalten! Ein literarisches Experiment mit vielen lyrischen Spuren wurde im Jahr 2020 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Anne Webers prämierter Text ist ein Epos in freier Versform und rhythmisierter Sprache, in dem die Binnenreime besondere Akzente setzen. Er erzählt die Lebensgeschichte einer außergewöhnlichen Frau, ja einer modernen Heldin, der heute 97-jährigen französischen Résistance-Kämpferin Anne Beaumanoir, genannt Annette, die als Mitglied der Kommunistischen Partei im Zweiten Weltkrieg jüdischen Familien half. Später wurde sie Neurophysiologin und engagierte sich in den 1950er Jahren im Untergrund für die algerische Unabhängigkeitsbewegung FLN sowie für den Aufbau des Gesundheitssystems in Maghreb. Die Suche nach Gerechtigkeit trieb sie im Widerstandskampf gegen Nationalsozialismus, koloniale Herrschaft und patriarchale Strukturen an. Für die Autorin sei Annette mehr ein Wunder als ein Vorbild, wie sie in einem Interview sagt. Für uns ein wunderbares Lektüreerlebnis!

 

   
   

 

 
 

Michael Groißmeier: Im Leuchtkäferlicht. Haiku
München: Allitera Verlag 2005, 142 Seiten

Als Buch verfügbar?

Mit der Haiku-Sammlung des bekannten Dachauer Lyrikers Michael Groißmeier aus dem Jahr 2005, die zu seinem 70. Geburtstag erschienen ist, blättert man sich durch die Jahreszeiten und Naturstimmungen, man beobachtet, staunt und hält inne. Ausgehend von dem Neujahrstag und festgehalten in der japanischen Kurzgedichtform mit insgesamt nur 17 Silben läuft man in den ersten Frühlingstagen auf dem mit Pflaumenblüten bedeckten Weg, streift man sich im Sommer gemeinsam mit dem Frosch den grünen Frack über, lauscht man dem Lautenspiel des Regens in einer Herbstnacht und fällt in den Winterschlaf zusammen mit dem eingefrorenen Wasserfall. Indem die fragilen, vergänglichen Naturereignisse gewürdigt werden, bekommt man bei der Lektüre lauter kleine Gedicht-Glücksmomente geschenkt. Auch in anderen Lyrikbänden dichtet Michael Groißmeier nach Haiku-Art, so etwa in den Sammlungen "Seelandschaften" oder "Zerblas ich den Löwenzahn".

 

 
   

 

 
 

Mascha Kaléko: Das lyrische Stenogrammheft. Kleines Lesebuch für Große
München: dtv 2016, 200 Seiten 

Als Buch / eBook verfügbar? 

Schon der Titel der Gedichtsammlung von Mascha Kaléko vereint die scheinbar widersprüchlichen Welten der Poesie und des Büroalltags, der Fantasie und der Effizienz. Gleichermaßen mit Witz und Heiterkeit wie auch mit Melancholie und Wehmut dichtet sie in ihrem 1933 erschienenen lyrischen Debüt, das seitdem immer wieder neu aufgelegt wird, vom trubeligen Großstadtleben mit seinen beruflichen Zwängen, technischen Errungenschaften und glitzernden Verlockungen der Unterhaltungsindustrie, aber auch von Liebesbegegnungen und -enttäuschungen. Kalékos Gedichte sind mal sozialkritisch (Herrschaftliche Häuser), mal politisch scharf (Der Chor der Kriegerwaisen), mal wiederum leichtfüßig oder ironisch (Verwandtschaft). Berufsbilder in pointierten Versen (Mannequins) wechseln sich ab mit plastischen Stadtszenen (Schulausflug). Meisterhaft bannt sie vor allem aber auch Gefühle wie Angst, Einsamkeit und Trennungsschmerz (Blasse Tage) in einen scheinbar lockeren lyrischen Ton. Immer wieder lesenswert!

 
       
 

Lina Atfah: Das Buch von der fehlenden Ankunft. Gedichte aus Syrien. Aus dem Arabischen übersetzt und nachgedichtet von Dorothea Grünzweig u.a. Bielefeld: Pendragon 2019, 148 Seiten

Als eBook verfügbar? 

Poesie, die protestiert und Anklage erhebt, Poesie als Waffe: Die Gedichte der jungen syrische Autorin Lina Atfah dürfen in ihrem Heimatland nicht gedruckt und verbreitet werden, dort wird ihr Staatsbeleidigung und Gotteslästerung vorgeworfen. Heute lebt sie in Nordrhein-Westfalen, arbeitet wieder als Autorin und bespielt mit ihren Texten und Gedichten einen eigenen YouTube-Kanal. Für ihr schmales „Buch von der fehlenden Ankunft“ erhielt sie 2020 – als erste Lyrikerin überhaupt – den LiBeraturpreis. Lina Atfah dichtet, wenn andere verstummt sind und ihre Sprache verloren haben. Sie beschreibt das Unbeschreibliche, ihre bildhaften Gedichte von Flucht, Vertreibung und Verlust, vom Terror und Tod, vom Ankommen und Überleben rütteln auf und klagen an. Für die zweisprachige Ausgabe haben mehrere bekannte DichterInnen, darunter Annika Reich, Joachim Sartorius oder Jan Wagner, die arabischen Originaltexte ins Deutsche übertragen.

 
       
 

Uwe Michael Gutzschhahn: Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her. Das dicke Buch vom Nonsens-Reim. München: cbj 2015, 192 Seiten, empfohlen ab 6 Jahren

Als Buch verfügbar? 

Hier bringen einen moderne Lyriker wie Robert Gernhardt und Erich Fried, aber auch Klassiker wie Gotthold Ephraim Lessing oder Adelbert von Chamisso zum Lachen, hier macht Lyrik auch Kindern ab 6 Jahren richtig Spaß! Die Anthologie mit Bildern von Sabine Wilharm ist eine vergnügliche und herrlich schräge Sammlung von rund 150 Gedichten voller Schabernack, Sprach- und Wortspiele, Buchstabenverdreher, logischer Widersprüche und eben – Nonsens. Bei der Textauswahl haben es dem Herausgeber Uwe-Michael Gutzschhahn wohl vor allem Tier-Gedichte angetan; man begegnet hier – neben dem Hinundhering, der auf dem Buchcover eine Aktentasche und Krawatte trägt – auch einem Iltiss, mehreren Löwen, Katzen, Vögeln, einem verliebten Gummibärchenpärchen, einem Regenpferd und Seewurm und einer Schnabelsau. Schnabel-was? Nie gehört? Was für ein Unsinn! Ja eben, lesen Sie selbst und reimen Sie los!

 
       

 

 

Barbara Schmidt und Dirk Schmidt: Kamfu mir helfen?
München: Verlag Antje Kunstmann 2009, 32 Seiten, empfohlen ab 4 Jahren (Antolin Klasse 1 und 2)
Als Buch / Hörspiel verfügbar? Bei uns auch als Kamishibai-Bildkartenset bestellbar!

„Ein blauer Elefant in schnellem Lauf / stolpert, denn er passt nicht auf“: Da sein langer Rüssel bei dem Sturz mehrfach geknickt wurde, kann er auf die Frage des Ameisenbärs nur beschämt antworten: „Ich bin gefpolpert, hingeflogen / und hab den Rüffel mir verbogen! / Kamfu mir helfen?“ Gemeinsam suchen Ameisenbär und Elefant das Schwein auf, doch erst mit Hilfe einer kleinen Fliege wird der Rüssel wieder gerade. Wie dies geschieht, wird hier nicht verraten. Doch „Kamfu mir helfen?“ ruft nun ein anderes Tier dem Leser oder Zuhörer zu, wodurch dieser animiert wird, eigene fantasievolle Tricks zu entwickeln. Wenn die originellen, ulkigen Reime noch dazu mit zugehaltener Nase vorgelesen werden, kann man mit kichernden Zuhörern jeden Alters rechnen.

 
  Dieses gereimte Bilderbuch mit pastellfarbene Illustrationen kann auch in Form eines Kamishibai-Papiertheaters bei Kindergeburtstagen oder in kleineren Hortgruppen vorgelesen werden. Auf diese Weise kann mit dem lustigen Gedichtbuch sogar im eigenen Wohnzimmer oder im Garten ein abwechslungsreicher Theaterbesuch nachgestellt werden.  
   

Empfohlen von Sabine Drexlmaier (Team Leseförderung) und Dr. Slávka Rude-Porubská (Leitung)

 

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