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LESBAR - unsere Lese- und Medientipps

In der Hauptstelle der Stadtbücherei können Sie wieder die beliebte LESBAR besuchen. Hier lässt es sich bei einer Tasse Kaffee ausgezeichnet schmökern, in den Zeitungen und Zeitschriften blättern oder via WLAN Internetzugang nutzen. Dazu servieren wir Ihnen unsere monatlichen Lektüre- und Medientipps.  


Hygiene- und Schutzkonzept für den Besuch der LESBAR
Der Zugang zur LESBAR durch die Bücherei-Innenräume ist derzeit an die 3G-Regel gebunden, nach der nur geimpfte, genesene oder getestete Personen die Bücherei betreten dürfen. Auf dem festen Sitzplatz darf die Maske am Tisch abgenommen werden. Dabei ist auf den Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Personen zu achten. 


#KANADA OKTOBER 2021

Sind Sie ein begeisterter Fan der Kurzgeschichten der kanadischen Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro? Oder eher der Krimireihe um den Inspector Gamache von Louise Penny, die in dem fiktiven kanadischen Örtchen Three Pines spielt? Oder haben es Ihnen die Verfilmungen der Weltbestseller von Michael Ondaatje oder Yann Martel angetan? 
Wenn sich im Oktober die Ahornblätter rot färben, nehmen wir Sie mit auf einen literarischen Roadtrip nach Kanada, das in diesem Jahr unter dem Motto „Singular Plurality –
Singulier Pluriel – Einzigartige Vielfalt“ Gastland bei der Frankfurter Buchmesse ist. Auf den Buchmarkt in Deutschland kommen zahlreiche Übersetzungen von Büchern anglophoner und frankophoner Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus dem nordamerikanischen Land sowie indigener Autorinnen und Autoren. Wir haben für Sie in zahlreichen Titeln geblättert und empfehlen Ihnen – auf dem Büchertisch in der Hauptstelle sowie in der digitalen LesBar – unsere literarische Kanada-Auswahl.

   
         
 

Margaret Atwood: Der Report der Magd
München: Piper 2017, 416 Seiten. Aus dem kanadischen Englisch von Helga Pfetsch

Als Buch / eAudio verfügbar? 

Eine provokante, aufwühlende Dystopie aus der Feder der Grande Dame der kanadischen Literatur: Margaret Atwood entwirft in ihrem bereits 1985 im Original veröffentlichten Roman die düstere Vision einer Gesellschaft ohne Zukunftsperspektive. Nach einem Krieg und einer atomarer Katastrophe sind die meisten Frauen im fiktiven Staat Gilead unfruchtbar geworden; die gesamte weibliche Bevölkerung wird in dem totalitären Überwachungsregime in ein Kastensystem eingeteilt. Die Mägde stehen nun ganz unten in der gesellschaftlichen Hierarchie und werden von den Männern wie Leibeigene behandelt; ihnen sind die Dienerinnen sowie die Ehefrauen von Führungskräften übergeordnet. Die Aufgabe der Mägde, für die Atwooods starke Protagonistin Desdref steht, ist es, für die unfruchtbaren Elite-Frauen Kinder zu empfangen und auszutragen. Ist eine Auflehnung gegen die mähtigen Patriarchat-Strukturen, ein Entkommen möglich? Wie reagieren Frauen auf Unterdrückung und Entrechtung, wie kämpfen sie um ihre Selbstbestimmung? Diesen Fragen geht Atwood in dem Roman „Die Zeuginnen“ nach, der sich als eine Fortsetzung von Desdrefs Geschichte liest.

 

 
       
 

Mary Lawson: Im letzten Licht des Herbstes 
München: Heyne Verlag 2021, 333 Seiten. Aus dem Englischen von Sabine Lohmann
Als Buch verfügbar?

Wer mit dem Herbst Abschied, Melancholie und ein wenig Trauer asoziiert, ist in der richtigen Stimmungslage für den berührenden Roman von Mary Lawson, der in Kanada ein Bestseller ist. Das schwindende Herbstlicht hat in der Kleinstadt Solace drei Menschen, drei Schicksale und drei Geschichten rund um die Themen Liebe, Verlust und Neustart zusammengeführt – die der achtjährigen Clara, deren große Schwester Rose nach einem Streit mit der Mutter das Haus verlassen hat und nun spurlos verschwunden ist. Die von Mrs. Orchard, Claras Nachbarin vom Haus gegenüber, die nun im Krankenhaus liegt und auf ihr Leben zurückblickt. Und die von Liam Kane, der nach seiner Scheidung aus Toronto wegzieht, eines Tages im Städtchen auftaucht und das Haus von Mrs. Orchard bezieht. Wie ist die Verbindung zwischen Liam und Mrs. Orchard, warum hat sie ihm ihr Haus vermacht? Wie kann Liam Clara bei der Suche nach Rose helfen? Einfühlsam, empathisch und weise erzählt, schenkt Mary Lawsons Roman ihren Protagonisten am Ende ein zerbrechliches, vergängliches Glück. 

 
       
 

Tanya Tagaq: Eisfuchs
München: Antje Kunstmann Verlag 2020, 200 Seiten. Aus dem kanadischen Englisch von Anke Caroline Burger
Als Buch / eBook verfügbar? 

Sie schreibt nicht nur, sie singt auch: Tany Tagay ist eine vielseitige Künstlerin aus dem Volk der Inuit, die sowohl als Kehlkopfsängerin als auch Autorin Erfolge feiert. In ihrem Debütroman kombiniert sie verschiedene Genres und Textsorten und greift auch auf die mündliche Erzähltradition und Überlieferungen der Inuit zurück. Geschildert wird die Kindheit und Jugend eines Inuit-Mädchens, das in den 1970er Jahren im kanadischen Polargebiet am Rande des Eismeers aufwächst. In dem herausforderndem und mutigen Buch, der Prosa, Lyrik sowie Zeichnungen und Skizzen miteinander kombiniert, geht es um die rauen und abweisenden Winterlandschaften, die unbarmherzigen Naturkräfte, aber auch um die soziale Kälte und Missbrauch - die verrohten, dem Alkohol verfallenen Erwachsenen und die Kritik an der Gewalt in den  sogenannten Residential Schools. Eine weitere Textebene bilden phantastische Traumbilder, volkstümliche Sagen und mythische Naturschilderungen. Drastisch, brutal und doch poetisch – für alle, die keine Angst vor Experimenten in der Literatur haben! 

 

 
       
 

Jacques Poulin: Volkswagen Blues
Berlin: Hanser Berlin 2020, 256 Seiten. Aus dem kanadischen Französisch von Jan Schönherr
Als Buch / eBook verfügbar? 

Es geht von Kanada in die USA, aus Québec nach San Francisco; und auf die Reise in einem klapprigen, verrosteten VW-Bulli quer über das nordamerikanische Kontinent macht sich ein ungleiches Paar. Da ist der unter einer Schreibkrise leidende Schriftsteller mit dem Psedonym Jack Watermann, der auf der Suche nach seinem verschollenen Bruder Théo ist. Und da ist Pitsémine, eine junge halbindianische Frau, die „Große Heuschrecke“ genannt wird, Kfz-Mechanikerin vom Beruf, leidenschaftliche Leserin und Bücherdiebin, die Jack als Anhalterin samt ihrer Katze auf der Fahrt mitnimmt. Lässig und humorvoll erzählt der Autor, der in Kanada zu den modernen Klassikern gehört, in seiner im Original bereits 1984 erschienenen Road Novel in kurzen Kapiteln von den schrägen bis komischen Begegnungen, die seine Protagonisten unterwegs erleben und von den Geschichten, die sie einander anvertrauen. 

 

 
       
 

Emily Carr: Klee Wyck – Die, die lacht
Berlin: Verlag Das kulturelle Gedächtnis 2020, 175 Seiten. Aus dem kanadischen Englisch von Marion Hertle
Als Buch verfügbar? 


1941 erschienen, war das Reportagebuch der erfolgreichen Malerin und einer der ersten Umweltschutzaktivistinnen Emily Carr in Kanada eine Sensation. Der Zensur der damaligen Zeit fielen aber viele kritische Passagen über die Arbeit der Missionare und das Unrecht, das den UreinwohnerInnen Kanadas, Angehörigen der „First-Nations“, durch die Weißen widerfuhr, zum Opfer – Ausbeutung, Diskriminierung, Rassimus, Verwehrung des Wahlrechts. Die in einer wunderschönen Ausgabe vorliegende Übersetzung bringt den deutschsprachigen LeserInnen nun den ungekürzten Ursprungstext nahe. Es sind insgesamt 21 detailreiche,  in einfach-klarer, ungekünstleter Sprache verfasste Skizzen, Reportagen, Notizen und Kurzgeschichten über das Leben der indigenen Völker. Emily Carr lernte es bei ihren Reisen an der Pazifikküste kennen, als sie die Totempfähle und andere Kulturtraditionen der Indianerstämme Haidu in Dörfen wie Dörfchen wie Ucluelet, Tanoo, Cumshewa oder Cha-Atl dokumentierte. Hier erhielt sie in der Chinook-Sprache auch den Beinamen Klee Wyck, „Die, die lacht“, erhielt – dank ihrer unvoreingenommen, offenen und respektvollen Art, mit der sie sich den Mitgliedern der First Nations näherte. 

 
       
 

Lisa Nieschlag u. Lars Wentrup: Taste the Wild. Rezepte und Geschichten aus Kanada
Münster: Hölker Verlag 2019, 190 Seiten
Als Buch verfügbar? 

Dass Kanada ein beliebtes Reiseziel vor allem für Camper und Naturliebhaber ist, steht fest. Wie wäre es aber mit einer gastronomischen Reise durch Kanada, das als Einwanderungsland einem kulinarischen Melting Pot gleicht? In seinem Kochbuch bietet das Autorenduo Lisa Nieschlag und Lars Wentrup mit den Bildern des Fotografen Sascha Talke einen traumhaften Naturhintergrund für die vielfältigen Rezepte, die nach Wildnis, Abenteuer und Freiheit schmecken... Beim Nachkochen lassen sich die Traditionen und Zutatenvorlieben der vielen Nationen erspüren, die heute in Kanada leben – so ist in den Pumpkin Spice Muffins der kulinarische Einfluss des großen Nachbarlandes USA herauszuschmecken, in der sämigen Suppe aus Venusmuscheln, Clam Chowder, die französische Inspiration spürbar, während aus dem italienischen Risotto-Klassiker durch die Zubereitung mit Fischbrühe und Garnelen ein echtes kanadisches Original entsteht. Nicht fehlen dürfen natürlich die Tipps für den vielfältigen Einsatz von Ahornsirup in der Küche – entweder als Grundzutat für den Maple Cheescake mit Erdbeeren oder als Glasur für herzhafte Spare Ribs! 

 
       
   
Dr. Slávka Rude-Porubská (Leitung)